Wer glaubt, das traditionelle Kunsthandwerk im Erzgebirge bringe nur Schwibbögen und Nussknacker hervor, der irrt gewaltig. Neben dem Bergbau und der Drechselkunst blühte auch die Glasherstellung in den Glashütten, z. B. in Heidelbach. Eines der berühmtesten und kunstvollsten Erzeugnisse war der erzgebirgische Glashängeleuchter, von dem einige Exemplare noch in der Seiffener Kirche zu bewundern sind. Da die exklusiven Glaslüster, die nach dem Vorbild venezianischer Leuchter entworfen wurden, zu teuer für die durchschnittliche Bevölkerung der rauen Gebirgslandschaft Sachsens waren, bauten die Drechsler der Region die Leuchterspinnen, wie die Hängeleuchter auch genannt wurden, aus Holz nach. Eine zweite „Sparvariante“ dieser Spinnen, die in dieser Form erstmals um 1850 im Erzgebirge gefertigt wurden, war die Herstellung aus Keramik statt geschliffenem Glas.

Aufwändige Verarbeitung bei Holzhängeleuchten

Die Herstellung der Hängeleuchten aus Holz bedarf einer Vielzahl einzelner Arbeitsschritte und Bauteile. Auf einen gedrechselten Stab werden auf einem breiten, meist dem untersten Absatz Arme für Kerzen aufgesetzt. Die bei Glaslüstern aus gläsernen Prismen und Perlen bestehenden Ketten und Verzierungen werden durch Holzperlen und Knäufe ersetzt. Meist erfolgt zum Schluss die Lackierung und Bemalung der hölzernen Bauteile. Auch der gedrechselte Behang, der je nach Jahreszeit gewechselt werden kann – z. B. Glöckchen oder Ostereier –, wird entsprechend bunt bemalt.

Tausende von Einzelteilen

Ein großer Holzhängeleuchter kann aus bis zu 1.750 handgedrehten Kugeln, die an rund 1.300 Haken und Ösen aufgehängt werden, bestehen. Eine besondere Variante der Leuchterspinne ist der Laufleuchter. Von mechanischen Werken oder der Wärme der Kerzen angetrieben, dreht sich dieser an der Decke hängende Leuchter ähnlich wie die als Weihnachtspyramiden bekannten Tischleuchter.

Die unterschiedlichen Ausführungen der Leuchterspinnen bieten für jeden Geschmack das Richtige: mit Wachskerzen oder elektrisch beleuchtet, als Stand- oder Hängeleuchter, mit unterschiedlichen vielen Armen, bunt oder einfarbig. Neben den Schwibbögen als typischer Weihnachtsbeleuchtung aus dem Erzgebirge sind die hölzernen Leuchterspinnen ein weiteres Beleuchtungselement, das wir der Handwerkskunst der Erzgebirgler zu verdanken haben.

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