„Grenzen verschieben!“ – Designer Diego Sferrazza im Interview

Diego Sferrazza im Interview mit Lampenwelt.de

Das Wichtigste bei einem Designobjekt ist die Berücksichtigung der Bedürfnisse derjenigen, die das Objekt schließlich einmal einsetzen, erklärt Diego Sferrazza. Ob er gerade ein Regal für den französischen Möbelhersteller Ligne Roset entwickelt, einen Luftreiniger mit einer speziellen Design-Grammatik oder eine wunderschöne Hängeleuchte für das weltbekannte Unternehmen Luceplan, spielt dabei keine Rolle. Die Bedürfnisse stehen im Vordergrund.

Weil sich Bedürfnisse aber ständig ändern, darf man nicht erwarten, dass heute ein „statisches, ein festes Objekt“ noch Erfolg hat. „Produkte müssen personalisierbar sein, fast schon interaktiv“, gibt der Designer wortmalerisch zu verstehen. Auf der light+building 2018 erklärt er Lampenwelt.de, wie für ihn aus einer anfänglichen Idee einmal ein wirklich erfolgreiches Produkt wird – und wie man mit jeder neuen Idee seine eigenen Grenzen und die der Hersteller immer wieder ein Stück weiter verschieben kann und sollte.

 

Designer im Interview

Gesprächspartner: Diego Sferrazza | Gestaltet u. a. für: Luceplan | » Luceplan im Shop entdecken

 

Interviews bekannter Leuchtendesigner im Lampenwelt-Blog

„Die Grenze immer etwas weiter nach vorn zu verschieben, ist eine interessante Sache.“

 

Diego Sferrazza stand Lampenwelt.de auf der light+building 2018 für ein Interview Rede und Antwort.

Designer Diege Sferrazza auf der light+building 2018

Lampenwelt: Was war Ihre Motivation, Designer zu werden? Und genauer gefragt, was hat Sie zum Gestalten von Leuchten bewogen?

Sferrazza: Ich begann aus einem ganz speziellen Bedürfnis heraus. Es war das Bedürfnis, meine Gedanken in Objekte umzusetzen und dabei das italienische Knowhow der Firmen in Sachen Herstellung mit den Ideen eines Designers zu kombinieren. Es ist eine sehr schöne Herausforderung, die in Italien vorhandenen Gegebenheiten zu kombinieren, verschiedene technische Aspekte, Materialien, Verarbeitungstechniken und mehr. Dazu gehört, eine vielleicht komplizierte Idee zu haben, für die es sich schwierig gestalten kann, geeignete Leute für die Umsetzung zu finden. Man muss sehen und verstehen, was überhaupt möglich ist. Meiner Meinung nach sollte auch jeder Designer die Herausforderung annehmen, das Niveau zu steigern, das bisher von der Firma, die das Objekt fertigt, erzielt wurde. Jedes Mal ein wenig weiter zu gehen und die Grenze immer etwas weiter nach vorn zu verschieben, ist eine interessante Sache.

 

Interviews bekannter Leuchtendesigner im Lampenwelt-Blog

„Mir war ganz klar, dass ich Dinge entwerfen musste.“

 

Lampenwelt: Wollten Sie schon immer Designer werden?

Sferrazza: Eindeutig ja, ich wollte schon immer Designer werden. Ich wusste nicht, in welchem Bereich, aber mir war ganz klar, dass ich Dinge entwerfen musste. Das konnte eine Leuchte sein oder ein Stuhl, aber ich war mir sehr im Klaren über die Rolle, die ich einnehmen wollte.

Lampenwelt: Haben Sie als Designer ein bestimmtes Vorbild?

Sferrazza: Zu sagen, dass man ein einziges Vorbild hat, ist schwierig. Denn gerade in Italien gab und gibt es sehr gute und sehr einflussreiche Meister und Designer. Wenn ich an die Arbeit von Designern aus der ganzen Welt denke, nein. Ich denke aber, man kann Anregungen erhalten oder von verschiedenen Designern der Vergangenheit und Gegenwart beeinflusst werden. Das ist auch unvermeidlich.

Lampenwelt: Wie lange sind Sie schon im Leuchtendesign tätig und wie viele Leuchten haben Sie entworfen?

Sferrazza: Ich habe vor etwa zwanzig Jahren mit dem Leuchtendesign angefangen. Ich habe eine Ausbildung als Beleuchtungstechniker, und in dem Studio, in dem ich Praktikant war, begann ich, Beleuchtung zu planen. In der Folge begann ich mit dem Entwurf von Leuchten. Ja, ich entwerfe schon eine ganze Weile Beleuchtung und Leuchten.

 

 

Interviews bekannter Leuchtendesigner im Lampenwelt-Blog

„Die Arbeiten eines Künstlers haben eine Seele, eine Botschaft,
die Gebrauchsobjekte oft nicht haben.“

 

Lampenwelt: Was inspiriert Sie bei Ihrer Arbeit?

Sferrazza: Ich sammle gerne Inspirationen und lasse mich von dem inspirieren, was mich umgibt. Das kann eine Reise sein, eine Ausstellung, ein Objekt, das ich sehe. Vor allem muss ich aber sagen, dass Kunst und Kunstobjekte mich ganz besonders faszinieren. Denn ich finde, dass die Arbeiten eines Künstlers eine Seele haben, eine Botschaft, die Gebrauchsobjekte oft nicht haben. Meiner Meinung nach erreichen sie durch die Tatsache, dass sie uns etwas mitteilen, dass wir aus ihnen Emotionen und damit auch Inspiration ziehen können.

Lampenwelt: Wie können wir uns den Entstehungsprozess einer Ihrer Leuchten vorstellen?

Sferrazza: Der kreative Prozess geht immer von einem Bedürfnis, einer Suche aus. Dies kann das Bedürfnis sein, etwas zu verwenden und dabei festzustellen, dass der gesuchte Produkttyp fehlt. Oder es kann das Bedürfnis sein, ein Produkt zu verbessern. Manchmal ist es auch ein ästhetisches Bedürfnis. An diesem Punkt beginnt der kreative Prozess, und durch die Materialien, durch die Techniken – es ist oft die Technik, die den kreativen Prozess leitet – kommt man zu einem Projekt, das sich im Laufe der Zeit entwickelt. Bis man das erhält, was dann präsentiert und schließlich produziert wird.

 

Luceplan produziert hochwertige Wohnraumleuchten wie zum Beispiel auch die Leuchtenserie Costanza von Paolo Rizzatto.

 

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„Ein Objekt unterscheidet sich von einem anderen durch seine Grammatik.“

 

Lampenwelt: Bevorzugen Sie einen bestimmten Stil?

Sferrazza: Ja, ich habe einen bevorzugten Stil. Ich mag sehr klare Linien. Nordische Linien, könnte man sagen, aber mit einem italienischen Touch, mit einem Hauch von Eleganz oder neuen Proportionen. Mir gefällt es sehr, mit den Proportionen zu spielen. Ich bezeichne es als eine Art Grammatik, eine Grammatik der Proportionen. Das heißt, ein Objekt unterscheidet sich von einem anderen auch durch seine Grammatik, also wegen seinen Proportionen, seinen Dimensionen. Wenn man gut untersucht, gut versteht und gut berechnet, entsteht ein Objekt, das sich von anderen Objekten, auch aus eigenen früheren Projekten, unterscheidet. Meiner Meinung nach liegt auch in der Einfachheit, im sorgfältigen Detail, das Wesentliche eines guten Projekts.

 

 

Interviews bekannter Leuchtendesigner im Lampenwelt-Blog

„Eine ansprechende Mischung zwischen essentiellem Design und einem Hauch von Eleganz, von mediterraner Unvorhersehbarkeit.“

 

Lampenwelt: Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben?

Sferrazza: Ich denke, man kann es als eine ansprechende Mischung zwischen sauberem, essentiellem Design und einem Hauch von Eleganz, von mediterraner Unvorhersehbarkeit definieren.

 

Die Leuchte Farel von Diego Sferrazza. | Blog von Lampenwelt.de

Die Leuchte Farel von Diego Sferrazza. | Blog von Lampenwelt.de

Portrait von Diego Sferrazza. | Blog von Lampenwelt.de

Diego Sferrazza entwarf die Leuchte Farel.

 

Interviews bekannter Leuchtendesigner im Lampenwelt-Blog

„Heute kann man nicht mehr erwarten, ein statisches Objekt entwickeln zu können.“

 

Lampenwelt: Mit welchen Materialien oder Farben und Beleuchtungstechnologien arbeiten Sie am liebsten?

Sferrazza: Das hängt vom Projekt ab. Für gewöhnlich ist es mein Ziel, ein Projekt zu realisieren, in dem eine bestimmte Komponente des Gegenstands relativ markant vorhanden ist. Ausschlag geben dabei die sich verändernden Bedürfnisse der Menschen. Heute kann man nicht mehr erwarten, ein statisches Objekt entwickeln zu können, welches hinsichtlich Farben, Dimensionen, Formen ganz fest ist. Das Objekt muss heute quasi interaktiv sein. Das bedeutet, dass die Menschen, die es besitzen und verwenden, mit dem Objekt in eine Art Verbindung treten wollen. Diese Verbindung entsteht besonders dann, wenn ein Objekt personalisierbar ist. Das Objekt richtet sich dann genau nach den Bedürfnissen derjenigen aus, die es verwenden. Materialien und Farben sind darauf abgestimmt.

Bei meinem Projekt für Luceplan (Anm. d. Red.: die Hängeleuchte Farel) wurde wirklich in diese Richtung gedacht. Wir haben drei unterschiedliche Lackierungen für den Metallteil, vier Farben für den Stoff und zwei Farben für die Innenverkleidung. Material und Farbe können wir in der Endbearbeitung auf unterschiedliche Weise kombinieren, je nach Wunsch des Kunden. Für Gesundheitseinrichtungen könnten wir bestimmte Endbearbeitungen anbieten, für das Haus und für behaglichere Umgebungen andere Endbearbeitungen. Auf diese Weise ist das Objekt, die Leuchte nicht statisch, sondern schafft es immer, sich an Veränderungen bei den Gebrauchsgewohnheiten und den Bedürfnissen der Kunden anzupassen.

 

Interviews bekannter Leuchtendesigner im Lampenwelt-Blog

„Die Werte, die man in das Projekt einbringen wollte,
durch den gesamten kreativen Prozess transportieren.“

 

Lampenwelt: Unsere letzte Frage: Was macht eine erfolgreiche Leuchte für Sie aus?

Sferrazza: Ich denke, wenn man als Designer eine Idee hat und einem diese Idee sehr klar ist, und wenn man sie in ein Objekt umsetzen kann, welches die eigenen Ideen widerspiegelt. Denn der kreative Prozess ist sehr lang und der Realisierungsprozess ebenfalls. Wenn man es schafft, die Werte, die man in das Projekt einbringen wollte, durch den gesamten kreativen Prozess zu transportieren, und wenn diese Werte wahrgenommen und anerkannt werden, sowohl vom Unternehmen als auch von den zukünftigen Nutzern des Objekts, dann hat man es meiner Meinung nach geschafft, erfolgreich zu sein. Sowohl hinsichtlich des Projekts als auch geschäftlich. Ich glaube daran, etwas gut umsetzen zu können, im Einklang mit dem Unternehmen. Dazu gehört, gut mit den Herstellern zu arbeiten, um die Bedürfnisse aller zu erfüllen. Das ist meiner Meinung nach das Ziel, dass der Designer – auch ich – haben sollte, um die anfänglichen Designaspekte und Ideen zu realisieren.

 

Diego Sferrazza im Interview auf der light+building 2018. | Blog von Lampenwelt.de

Ideen haben, Ideen umsetzen und die Grenzen immer ein bisschen weiter verschieben – das ist das Lebenswerk von Diego Sferrazza.

 

Lampenwelt: Ich danke Ihnen für das Interview! Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag und weiterhin viel Erfolg.

Sferrazza: Danke auch Ihnen und viel Freude mit unseren Projekten für Luceplan und mit meinen Projekten.

 

(Das Interview ist eine sinngemäße Übersetzung des italienischen Originals aus dem gezeigten Video)

 

Diego Sferrazza

Freiberuflicher Industriedesigner mit den Schwerpunkten Möbel und Innenarchitektur. Mitbegründer der Anzitempo Kunstgalerie.

Philosophie 

Unerwartete Objekte für den Alltag erschaffen. Das Design soll eine neue Lösung sein, mit einer Prise Humor in seinen technischen Details.

 

 

Luceplan-Markenwelt - | Jetzt mehr erfahren im Blog von Lampenwelt.de

Made in Light“ lautet der Slogan des italienischen Leuchtenherstellers Luceplan. Aussagen soll dies, dass die Sprache des Lichts universell ist, über alle Grenzen hinausgeht und Menschen verbindet. Gegründet wurde Luceplan im Jahr 1978 von Riccardo Sarfatti, Sandra Severi und Paolo Rizzatto als kleine Designschmiede in Mailand. Bis heute haben namhafte Designer aus der ganzen Welt zum Werk des Unternehmens beigetragen. Der Anspruch, eine Lichtkultur zu erzeugen, die das Wohlgefühl der Menschen in den Fokus nimmt, findet sich in jeder einzelnen Luceplan-Leuchte wieder. » zur Markenwelt

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