Auf eine spezielle Stilrichtung hat sich Christian Flindt, der seit 12 Jahren Leuchten für Louis Poulsen designt, nie festgelegt. Vielmehr war und ist sein Credo, sich nicht in eine bestimmte Form oder einen Einfall zu verlieben, sondern offen zu bleiben für neue und alternative Wege. Im spannenden Interview verrät er uns, wie er dazu kam, Leuchtendesigner zu werden, wer seine Vorbilder sind und von was er sich inspirieren lässt. Wie wichtig auch der Dialog mit den Kunden für seinen kreativen Schaffensprozess ist, bringt er ebenso zum Ausdruck wie die Tatsache, dass ihn der gemeinsame Weg mit Louis-Poulsen sehr geprägt hat.

Designer im Interview

Gesprächspartner: Christian Flindt | Designer von: Louis Poulsen| im Fokus: Flindt| » zum Shop

 

Interviews bekannter Leuchtendesigner im Lampenwelt-Blog

„Designer zu sein, bedeutet auch heute noch, neugierig zu sein,
Dinge auszuprobieren und zu versuchen, sie besser zu machen.“

 

Christian Flindt im Interview | Blog von Lampenwelt.deChristian Flindt ist bereits seit zwölf  Jahren als Designer für Louis Poulsen tätig

Lampenwelt: Was hat Sie dazu bewogen, Designer zu werden?

Flindt: Ich glaube, meine Eltern haben mich zum Teil geprägt. Mein Vater ist Pathologe, aber er war auch Segler und Handwerker. Meine Mutter hatte eine Galerie. Während ich aufwuchs, war ich also von Gemälden, Skulpturen und Künstlern umgeben. Es war für mich ganz normal, nicht nur mit einem Bleistift umzugehen, sondern mir auch ein Stück Holz zu nehmen und es zu beschneiden sowie verschiedene Materialien für Malerei und Skulptur auszuprobieren.

Nach der Schule war mir klar, dass es wohl das Beste wäre, meine kreativen Fähigkeiten zu nutzen. Die Kunst- und Designschule bot sich an, aber ich entschied mich für Architektur. Glücklicherweise war die Architekturschule zu dieser Zeit etwas locker organisiert, sodass ich verschiedene Abteilungen – Bau, Stadtplanung, architektonische Kodierung und Möbeldesign – ausprobieren konnte.

In diesem professionelleren Umfeld lief es also wieder darauf hinaus, dass ich viel experimentierte. Um ein Baukonzept anzufertigen, verwendeten die meisten Studenten zur damaligen Zeit Pappe und Leim. Die meiste Zeit verbrachte ich entweder in der Holz- oder Metallwerkstatt der Schule oder – noch besser – bei richtigen Unternehmen außerhalb der Schule.

Kunststoff-, Glasfaser- und Metallgussunternehmen, die bereit waren mich aufzunehmen, wiesen mir eine Ecke zu und versorgten mich mit etwas Know-how und Material. Designer zu sein, bedeutet auch heute noch, neugierig zu sein, Dinge auszuprobieren und zu versuchen, sie besser zu machen. Der größte Unterschied besteht heutzutage in der „Kollaboration“ guter Leute, die zusammen zu einem Endergebnis gelangen.

 

Interviews bekannter Leuchtendesigner im Lampenwelt-Blog

„Gutes Design kann man nicht in Einzelhaft auf einer Insel entwickeln.
Man braucht den Dialog mit dem Kunden.“

Lampenwelt: Neben Lampen haben Sie auch andere bekannte Werke designt, wie beispielsweise die sehr gelobten Orchid- und Ripple-Stühle. Was ist so besonders beim Designen von Leuchten?

Flindt: Das Besondere am Designen eines Stuhls ist, dass dieser sich nahe am Körper befindet. Beim Designen eines Stuhls bewegt man sich zwischen Ergonomik und Ästhetik hin und her. Die Frage, wie der Stuhl den menschlichen Körper hält und wie der menschliche Körper präsentiert wird, stellt beim Designen eines Stuhls sowohl das Ziel als auch den Referenzpunkt dar.

Beim Designen einer Lampe ist das Licht Ziel und Referenzpunkt. Um in diesem Kontext das Ziel zu erreichen, muss das Licht funktionell optimiert werden. Beispiel: Eine Schreibtischtischlampe muss den Großteil ihres Lichtscheins (min. 500 Lux) auf den Tisch werfen, damit der Nutzer das, woran er arbeitet, gut sehen kann. Licht bildet im Designprozess zudem den Referenzpunkt, der mir sagt, ob ich mich ästhetisch auf dem richtigen Weg befinde. Einen Eimer mit einer Glühbirne kann man als Leuchte ansehen. Für mich sollte eine Lampe aber neben der Tatsache, dass sie einen Lichtschein nach unten wirft und einen nicht direkt blendet, auch interessant aussehen, wenn sie nicht angeschaltet ist; das gilt insbesondere für meine Arbeit mit Louis Poulsen. Das Lichtspiel, das bei angeschalteter Lampe durch den Lichtschein auf Oberflächen und Materialien entsteht, sollte während des Tages, wenn die Leuchte nicht angeschaltet ist, durch den Schatten geschaffen werden.

Lampenwelt: Wie lassen Sie sich in Bezug auf neue Arbeiten inspirieren?

Flindt: Durch eine gute Vorgabe und einen guten Dialog. Gutes Design von Anfang bis Ende kann man nicht in Einzelhaft auf einer Insel entwickeln. Man braucht den Dialog mit dem Kunden und sein Feedback. Auch den Markt, für den man designt, muss man kennen. Dann weiß man, was es bereits gibt, was verbessert werden kann, und wenn man an etwas arbeitet, was noch niemand zuvor gemacht hat.

Elegant designte LED-Wandlampe Flindt | Blog von Lampenwelt.de

Diese elegant designte LED-Wandlampe von Christian Flindt trägt auch seinen Namen: Flindt

 

Interviews bekannter Leuchtendesigner im Lampenwelt-Blog

„Es ist, als wäre man ein Teenager, der mit einem Mädchen tanzt
und nicht weiß, was beim nächsten Song passieren wird.“

Inspiration an sich kann alles sein. Bei einem meiner neuesten Projekte für LP, einer Straßenlaterne, Xperi, wurde ich durch Star Wars inspiriert. Einer der Charaktere, ein goldener Roboter, hat Augen, die eigentlich kleine Lichtquellen sind. Diese sind mit lustigen vertikalen Jalousien versehen. Ich weiß nicht, was genau ihr Zweck ist. Vielleicht sollen sie ihn vor zu viel Ablenkung bewahren, denn das scheint ein Problem für ihn zu sein. Jedenfalls haben sie mich zu den horizontalen kontrastmindernden Rippen der neuen Louis Poulsen Straßenlaterne inspiriert.

Lampenwelt: Mit welchen Materialien arbeiten Sie am liebsten?

Flindt: Es gab Zeiten, da dachte ich, dass Glasfaser mein Material wäre, dann Kunststoff, dann Beton. Ich war jedes Mal sehr begeistert von diesem bestimmten Material und wollte durch verschiedene Designs und Objekte ausprobieren, was das Material kann und seine Eigenschaften testen. Jetzt denke ich, dass ich – je nach Projekt – alle Materialien schätze. Ich verliebe mich sehr schnell in ein neues Material und beginne mit dem Ausprobieren. Ich liebe diesen Prozess, etwas zu erforschen, das ich noch nicht kenne. Es ist, als wäre man ein Teenager, der mit einem Mädchen tanzt und nicht weiß, was beim nächsten Song passieren wird.

 

Für die Straßenlaterne Xerpi hat sich Christian Flindt von Star Wars inspirieren lassen. 

 

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„Es kommt mir nicht so vor, als müsse ich
einer bestimmten persönlichen Design-DNA folgen.“

Lampenwelt: Haben Sie einen Lieblingsstil?

Flindt: Ich denke nicht. Ich habe Rundes und Eckiges designt und Dinge dazwischen. Es kommt mir nicht so vor, als müsse ich einer bestimmten persönlichen Design-DNA folgen. Allerdings versuche ich, mich nicht in eine bestimmte Form oder den ersten Einfall zu verlieben, sondern offen zu bleiben für neue und alternative Wege zur Erledigung der gleichen Aufgabe. Ich führe einen Dialog mit dem Kunden, versuche aber stets selbst, mein schlimmster Kritiker zu sein.

Lampenwelt: Sie arbeiten bei Ihren Designs auch mit LED-Lichttechnologie. Was denken Sie als Designer hierüber und über andere neue Lichttechnologien?

Flindt: Ich freue mich über bahnbrechende Innovationen. Bevor ich mich auf Beleuchtung und das Designen von Leuchten konzentrierte, war ich im Bereich Möbeldesign tätig. Die Möbelindustrie in den 1950er Jahren verfügte mit „Holzfurnier“ über solch eine bahnbrechende Innovation. Plötzlich war es möglich, ganz andere Formen und neue Produktionsverfahren einzusetzen. Das veränderte die Branche. Das Gleiche passierte Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre, als Kunststoff hinzukam.

In der Beleuchtungsindustrie sind LED-Lampen die bahnbrechende Innovation, was mir absolut gerechtfertigt erscheint. Sie sind effizienter als ältere Lichtquellentechnologien. Vergleicht man sie mit der beliebten herkömmlichen Glühbirne, geben sie Farben sogar besser wieder. Und man kann sie auf so viele Arten kontrollieren. Daher schreit das Design der neuen Leuchten, in die man sie integriert, auch danach, in Zukunft anders zu sein, als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Poul Henningsen designte unter anderem die Designikone PH Artichoke, | Blog von Lampenwelt.de

Poul Henningsen war ebenfalls Designer für Louis Poulsen.

Lampenwelt: Was sind die aktuellen Trends im Hinblick auf Beleuchtung, Materialien und Design?

Flindt: Ich war gerade auf der Light+Building in Frankfurt. Und man kann heutzutage nicht sagen, dass der Trend LED ist. Alles ist LED. So muss man sagen. Light+Building 2018 setzte einen großen Schwerpunkt auf B2B. Und weil LED die moderne Lichtquelle darstellt, gibt es einige Leuchten, die jetzt logischerweise mit LEDs bestückt werden und von denen viele Unternehmen ihre Version haben möchten. Ein Trend sind die flachen, runden Leuchten. Sie sehen alle gleich aus. Nur in Bezug auf Verzierungen und Verarbeitungsqualität unterscheiden sie sich voneinander.

Es erinnert ein bisschen an den Smartphone-Markt, auf dem LED-Platinen/Bildschirme/Technologien auch eine grundlegende Rolle spielen und die Form der flachen, rechteckigen Handys mit Touchscreen vorgeben.

Ein weiterer Trend besteht darin, wie die Kontrolle der mehr und mehr kontrollierbaren LEDs erfolgen soll. Wie bei Smartphones ist es wichtig, dass die Nutzung, Einstellung und Änderung intuitiv erfolgt. Städtische Berater für Straßenbeleuchtung können heute auf die Webseite eines Beleuchtungsunternehmens gehen, die Größe einer Straße oder eines Platzes festlegen und verschiedene Arten von Leuchten mit der Maus an die entsprechenden Stellen ziehen. Sie können verschiedene Höhen, Farben, Varianten und sogar die einzelnen LEDs einstellen. Man kann festlegen, wie die Lichtverteilung erfolgen soll, ob man eine Nachtbeleuchtung, Bewegungssensoren, eingebautes WiFi usw. haben will. Dann kann man eine Teilebeschreibung anfordern und einen Gesamtpreis ermitteln und dies dem Bürgermeister vorlegen. Das ist komplexer, aber auch intuitiver.

Lampenwelt: Gibt es ein Produkt, das Sie schon immer designen wollten?

Flindt: Meine neunjährige Tochter Viola erzählte mir kürzlich, dass sie gefragt wurden, wie die Schule aussehen und sein sollte, wenn man ihnen freie Hand ließe. Das könnte tatsächlich ein interessantes Projekt sein. Und dann könnte man es machen wie Arne Jacobsen – von den Türgriffen bis zum Gebäude selbst. (Viola wäre natürlich Projektmanagerin für verrückte Ideen, die miteinfließen sollen.) … Mein eigenes Haus würde ich eines Tages auch gerne designen und ein Elektroauto dazu.

Pendelleuchte PH 2/1 | Blog von Lampenwelt.de
Pendelleuchte PH 4/3 | Blog von Lampenwelt.de

Hängelampe PH 5 - Blog von Lampenwelt.de
                                                 Die Leuchtenserie PH stammt aus der Feder von Poul Henningsen


Lampenwelt:
Was ist das Besondere an der Zusammenarbeit mit dem berühmten Leuchtenhersteller Louis Poulsen, die sie 2006 begonnen haben?

Flindt: Mit demselben Unternehmen schon über 12 Jahre zusammenzuarbeiten, ist wirklich etwas Besonderes. Man wird ein Teil davon. Man gehört dazu, weil man im Laufe der Zeit jeden kennt und begrüßt. Im Laufe von 12 Jahren wächst man auch mit dem Unternehmen. Man ist denselben Weg gegangen, und beide Seiten sind an einem neuen Ort angekommen, der sich von dem unterscheidet, an dem man sich getroffen hat. Man wird klüger im Hinblick auf das Unternehmen. Man erfährt gemeinsam Veränderungen in der Welt. Als ich anfing, gab es noch keine LED-Leuchten bei Louis Poulsen, jetzt ist alles LED.

Und auch wenn Poul Henningsen nicht in der Zentrale von Louis Poulsen am Gammel Strand in Kopenhagen umhergeht, spürt man dennoch, dass sein Geist immer noch präsent ist. Jeder kennt seine Theorien zu indirekter Beleuchtung, Blendungsbegrenzung usw.

Aber LP will glücklicherweise auch die neuen Entwicklungen zu guter Beleuchtung sehen und ist neugierig und offen in Bezug darauf, wohin diese das Unternehmen führen. Trotz des großen und beeindruckenden Erbes und der Tatsache, dass Louis Poulsen ein Unternehmen ist, das viele ikonische Lampen geschaffen hat, ist es auch ein Unternehmen, das die Zukunft guter Beleuchtung zeigen will – mit PH hat es dies bereits getan. Das ist es, was dem Unternehmen und den Menschen, die seine Produkte gekauft haben, einen Wert verschafft, einen Wert, der in der Suche nach Lichtqualität besteht. Das ist es, was sowohl Mitarbeiter von LP als auch Designer wie ich voranbringen wollen und was wir weiterhin kultivieren und pflegen.

Lampenwelt: Haben Sie als Designer ein besonderes Vorbild?

Flindt: Mein Cousin ist Teil des Olafur Eliason Büros in Berlin. Vor einigen Jahren schaute ich mir das Büro und die Werkstatt an und kam mir vor, wie ein Kind in einem Süßwarenladen.

Louis Poulsen Cirque | Blog von Lampenwelt.deDie farbenfrohe Hängeleuchte Cirque wurde von Clara von Zweigbergk für Louis Poulsen designt.

Der Prozess des Arbeitens in verschiedenen Bereichen von Architektur über Kunst bis zu Design finde ich wirklich interessant. Es gab so viele interessante Projekte, Objekte, Prototypen und Versuchsmodelle im gesamten Büro und in der gesamten Fabrik, die in einer alten Feuerwache mit 4 bis 5 Stockwerken untergebracht ist. Den Bereich, in dem sie arbeiten oder den sie selbst geschaffen haben, finde ich sehr inspirierend.

Sie schauen sich die Welt an und denken darüber nach, wie wir als Menschen sie wahrnehmen und verstehen. Dadurch inspiriert, schaffen sie Neues. Manche Dinge lösen ein Problem und erfüllen eine Funktion, aber wenn sie ein Gebäude planen, hat es immer noch eine zusätzliche Ebene oder einen Filter. Dabei geht es darum, wie man die Dinge und die Welt um sich herum wahrnimmt (z. B. die Glasfassade des ARoS Kunstmuseums, die einen Regenbogen darstellt, sowie die Fassade des Konzerthauses Harpa in Reykjavik).

Als ich auf der Architekturschule war, mochte ich auch die Arbeit von Herzog & de Meuron sehr. Sie scheinen wirklich ohne jegliche Vorbilder zu arbeiten. Sie erfinden sich ständig selbst neu und schaffen ungewohnte archetypische Lösungen, wenn sie an einem Architekturprojekt arbeiten. Allen ihren Projekten ist gemeinsam, dass sie stets ein fantastisches Materialverständnis beweisen. Sie setzen eine neue Technik nach der anderen ein und entwickeln neue architektonische Bausteine. Für mich sind ihre Gebäude Ausdruck einer intelligenten Verspieltheit. Die extrem gründliche und nahezu grundlegende Forschung, die hinter der Tatsache steht, dass sie ihre eigenen architektonischen Elemente und Bausteine entwickeln, lässt ihre Gebäude hervorstechen und gibt ihnen – was nicht überrascht – eine sehr persönliche und warme Note.

Ende des Monats werde ich nach Hamburg kommen, und ich bin sehr gespannt auf die Elbphilharmonie. Ich bin sicher, dass wird eine sehr interessante Erfahrung, die mich auch in hohem Maße in Bezug auf ein akustisches Projekt, an dem ich gerade arbeite, inspirieren wird.

Lampenwelt: Was sind Ihre nächsten Projekte?

Flindt: Produkte, die Licht und Akustik vereinen, für Schulen und Büros. Eine Serie von Leuchten sowohl für den Innen- als auch Außenraum …

Lampenwelt: Wir danken Ihnen herzlich für das Interview.

(Das Interview ist eine Übersetzung des englischen Originals)

 

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Über Louis Poulsen: Die lange Geschichte des dänischen Beleuchtungsherstellers Louis Poulsen ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Ebenso die Treue zum eigenen Anspruch. Konsequent wurde die skandinavische Designmaxime „Form folgt Funktion“ seit 1874 umgesetzt und brachte echte Leuchtenklassiker hervor, darunter die Designikone PH Artichoke. Das größtenteils in Handarbeit gefertigte Produkt ist nur eine von vielen Designerleuchten von solch namhaften Designern wie Poul Henningsen, Arne Jacobsen, Verner Panton, Øivind Slaatto, Alfred Homann, Oki Sato und Louise Campbell » Zur Markenwelt von Louis Poulsen

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