Im Mittelalter gehörten sie zum Stadtbild, auch wenn man ihnen nur des Nachts in dunklen Gassen begegnen konnte: die Nachtwächter – ausgerüstet mit einer Hellebarde, der typischen Hieb- und Stoßwaffe aus dem Mittelalter, einer Laterne und einem Horn. Der Nachtwächter sorgte auf den damals mangels Straßenbeleuchtung noch dunklen nächtlichen Straßen und Gassen für Sicherheit und Ordnung. Er kontrollierte nicht nur nicht das ordnungsgemäße Verschließen der Haustüren und Stadttore, sondern durfte verdächtig durch die Gassen schleichende Personen auch anhalten und überprüfen. Außerdem warnte er die Bürger, wenn irgendwo ein Feuer ausgebrochen war und war somit eine Art Polizist und Feuerwehrmann in einem. Auf seinen nächtlichen Rundgängen war der Nachtwächter gleichzeitig auch die mittelalterliche Version der Zeitansage: jede Stunde verkündete er lauthals die Uhrzeit.

Straßenbeleuchtung machte Nachtwächter arbeitslos

Trotz seiner großen Wichtigkeit für die mittelalterliche Bevölkerung genoss ein Nachtwächter kein großes Ansehen. Der Beruf des Nachtwächters galt wie auch der des Henkers, Abdeckers oder Totengräbers als unehrlicher Beruf – wohl, weil sich Nachtwächter nachts, wenn unbescholtene Bürger in ihren Betten lagen, in dunklen Gassen herumtrieben. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts flächendeckend die elektrische Straßenbeleuchtung und neue Polizeigesetze eingeführt wurden, bedeutete das die Abschaffung der Nachtwächter. Heute sieht man als Nachtwächter verkleidete Stadtführer mit Touristengruppen durch die historischen Stadtzentren ziehen. Um die Tradition des ausgestorbenen Berufs aufrechtzuerhalten, wurde 1987 im dänischen Ebeltoft die Europäische Nachtwächter- und Türmerzunft gegründet, der Nachtwächter aus Deutschland, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Norwegen und anderen europäischen Ländern angehören.

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