Die fortschreitende Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist einer der Gründe, warum man sich zunehmend Gedanken über eine bessere Beleuchtung der neuen Fabrikhallen und Industriebetriebe machen musste. Maßgeblich an der Erfindung der Gasbeleuchtung beteiligt war der schottische Ingenieur und Erfinder William Murdoch. Murdoch war ein Schüler James Watts und führte 1792 erste Experimente mit Leuchtgas durch. Das sogenannte Leuchtgas, das als Energiequelle für die neue Beleuchtungsform genutzt werden sollte, wurde beim Erhitzen von Steinkohle unter Luftabschluss gewonnen wurde und war somit ein Abfallprodukt, das ohnehin schon vorhanden war.

Etwa zur selben Zeit wie William Murdoch entwickelte der Franzose Philippe Lebon in Paris eine mit Gas betriebene Heizlampe („Thermolampe“), die jedoch, wie ihr Namen schon sagt, nicht alleine zur Beleuchtung, sondern auch als Heizung dienen sollte. Mit seiner Erfindung wollte Lebon alle Öfen und Kamine eines Hauses ersetzen und nebenbei noch eine neuartige Lichtquelle in den Privathaushalten etablieren.

Gasbeleuchtung hält Einzug in den Großstädten

Neben den besseren Arbeitsbedingungen in den Fabrikhallen brachte die Gasbeleuchtung auch einen erheblichen Fortschritt in der Straßenbeleuchtung. 1807 wurde in London die „Pall Mall“ versuchsweise halbseitig mit Gaslaternen beleuchtet. Die erste deutsche Stadt, die über eine Gasanstalt und gasbetriebene Straßenbeleuchtung verfügte, war 1825 Hannover. Ein Jahr später folgte Berlin. Fortan erstrahlte die Prachtstraße „Unter den Linden“ im Licht der neuen Gaslaternen. Bis in die heutige Zeit ist Berlin die deutsche Stadt mit den meisten noch in Betrieb befindlichen Gaslaternen. Im Jahre 1884 zählte man in Deutschland 577 Städte, deren Straßen mittels Gasbeleuchtung erhellt wurden.

Die ersten mit Gas betriebenen Straßenleuchten mussten noch einzeln von Hand „angezündet“ werden, weshalb Laternenanzünder allabendlich durch die Straßen gingen und die Gaslaternen entzündeten. Später war eine automatische, zentral gesteuerte Inbetriebnahme möglich.

Gasbeleuchtung im 21. Jahrhundert: nicht effizient genug

Die leeren Kassen der Kommunen und Länder zwingen die Verantwortlichen heutzutage zu einer energieeffizienten öffentlichen Beleuchtung. Bereits in den 1960er Jahren verschwanden die meisten Gaslampen aus den Straßen der deutschen Städte. Der Grund dafür ist, dass Gaslaternen zu hohe Kosten bei zu geringer Lichtausbeute verursachen. Dennoch gibt es Restbestände dieser Straßenbeleuchtung, vor allem in Berlin, wo über die Hälfte der 80.000 Gaslaternen, die in Deutschland noch in Betrieb sind, stehen. Insgesamt kann man in 40 deutschen Städten, darunter auch Düsseldorf, Frankfurt und Mainz, heute noch Gaslaternen und ihr spezielles Licht, das gerade bei der Beleuchtung von historischen Stadtteilen ein besonderes Flair hervorruft, bestaunen.

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