Fenster_260Fenster, die automatisch lichtundurchlässiger werden, sobald zu viele Sonnenstrahlen auf sie treffen, und die komplett transparent werden, wenn die trüben Wintertage nur mit wenig Tageslicht aufwarten können – das klingt nach einer Zukunftsvision, die in weiter Ferne liegt. Forscher des Instituts für Nanotechnik (INA) an der Universität Kassel halten diese Erfindung jedoch für durchaus realisierbar und prognostizieren, dass solche intelligenten Fenster in ca. fünf Jahren Wirklichkeit werden können. Den Grundstein dafür haben die Physiker des INA bereits gelegt: Sie haben ein Fensterglas entwickelt, das mit Millionen kleiner Mikrospiegel versehen ist, die für die Lichtsteuerung zuständig sind. Was derzeit noch fehlt, ist ein geeignetes Verfahren zur Glasherstellung.

Fensterglas lenkt Licht wie gewünscht

Das von den Forschern des INA entwickelte Glas könnte man als aktives Fensterglas bezeichnen, denn es lenkt die einfallenden Sonnenstrahlen gezielt ab oder lässt sie ins Gebäude hinein – je nach Wunsch. Im Sommer, wenn es ein Überangebot von natürlichem Licht und Wärmeeinstrahlung gibt, reflektiert das Fenster das Licht, lässt die Wärme aber draußen. Im Winter hingegen lässt das Glas so viel Licht und Wärme herein wie möglich. Nur wenn die Sonne sehr tief steht und Blendungen verursachen könnte, lenken die Spiegel im Fenster das Licht ab, damit man im Raum nicht geblendet wird.

Unzählige Mikrospiegel sind für Lichtdurchlässigkeit zuständig

Verantwortlich für die bedarfsgesteuerte Lichtlenkung sind Millionen kleiner Spiegel – ein Spiegel misst 0,1 mal 0,5 Millimeter –, die in den Luftspalt der doppelt oder dreifach verglasten Fenster eingebaut sind. Erstaunlicherweise sind diese Mikrospiegel äußerst robust – die Forscher garantieren eine Lebensdauer von 30 Jahren – und recycelbar. Außerdem ist das Material auch noch preisgünstig. Noch ist die Forschung allerdings nicht soweit, dass die Lichtdurchlässigkeit der Fenster 100 Prozent betrüge bzw. eine komplette Verdunklung möglich wäre. Je nachdem, wie die Spiegel eingestellt sind, ist das Glas mal mehr, mal weniger transparent.

Bei einem äußerst geringen Energieverbrauch der Fenster (0,2 Milliwatt) sehen die Forscher des INA den Anwendungsbereich des intelligenten Fensterglases vor allem bei großflächig verglasten Bürobauten. Architekten kämpfen bei solchen Gebäuden immer mit dem Problem der Verschattung der vielen Fenster. Große Glasflächen verursachen im Sommer immer einen enormen Kühlaufwand, der mit dem aktiven Fensterglas in Zukunft verringert werden könnte.

2 Responses

  1. Glaserei Nolting

    Wirklich eine innovative Erfindung, aber leider sind die Kosten für derartige Produkte noch zu hoch, im Vergleich zu herkömmlichem Sichtschutz.

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    • antje.leimert

      Liebe Damen und Herren der Glaserei Nolting, Sie haben natürlich vollkommen Recht: Eine solche Erfindung ist (wie viele neue Erfindungen) erst einmal noch viel zu teuer. Aber halten Sie es für möglich, dass sich ein solches Produkt etablieren kann? Dann würde zweifelsfrei auch der Preis sinken. Glauben Sie, dass ein solches Produkt einen attraktiven Fortschritt für jedermann bieten kann?

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