Wie Leuchtkäfer schaffen, was keiner Lampe gelingt!

Leuchtkäfer und Glühwürmchen begegnen uns in den warmen Sommermonaten

Leuchtkäfer, im Volksmund einfach nur Glühwürmchen genannt, begegnen so manchem Glücklichen an warmen, trockenen Sommerabenden auf Wiesen, in Gärten und am Waldrand. Dann nimmt man die kleinen, schwarz-braunen Käfer, die Lampyridae, als kleine leuchtende Punkte wahr. Worum es sich bei dem, was wir da sehen, wirklich handelt, ist eine Partnersuche. Das namensgebende, oftmals grünliche Leuchten der Leuchtkäfer ist eine Sensation der Natur. Auch etwas ganz Besonderes: Glühwürmchen zeigen dabei eine Effizienz in der Energieumwandlung, wie sie bislang kein künstliches Leuchtmittel erreicht! 

Rund 2.000 Arten von Leuchtkäfern gibt es über die ganze Welt verstreut. In Mittel-Europa und speziell in Deutschland gibt es nur drei davon: den Großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca), den Kleinen Leuchtkäfer (Lamprohiza slendidula; auch als Johanniswürmchen bekannt, da man es vor allem am Johannistag, dem 23. Juni, beobachten kann) und den Kurzflügel-Leuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus). Bei uns im Volksmund heißen sie alle Glühwürmchen, was in zweifacher Hinsicht unrichtig ist. Weder glüht bei einem Glühwürmchen etwas (wie zum Beispiel der Glühfaden einer Glühlampe heiß wird und dadurch Licht erzeugt), noch handelt es sich um ein Würmchen. Das Glühwürmchen ist in Wirklichkeit ein Käfer mit einer natürlichen Fähigkeit zu leuchten.

Warum kein Leuchtmittel mit dem Leuchtkäfer mithalten kann!

Die Lampyridae, so der Fachterminus für den Leuchtkäfer, besitzen eine einzigartige Fähigkeit: Sie leuchten, und zwar ohne Strom, ohne Aufladung durch Sonnenlicht. Leuchtkäfer beherrschen die Biolumineszenz, wobei „beherrschen“ hier wörtlich zu nehmen ist, denn für die Tiere ist das Ein- und Ausschalten ihres Lichts so leicht wie für uns ein Augenzwinkern. Dass der Käfer, genauer dessen lichtdurchlässiges Hinterteil, leuchtet, geschieht durch chemische Prozesse, eine Reaktion von Sauerstoff mit dem Naturstoff Luciferin, so dass als Produkt Licht abgegeben wird. Doch dieser Vorgang ist keineswegs mit dem Glühen einer Glühlampe vergleichbar, bei dem durch Wärme oder Hitze Licht entsteht. Das Licht der Leuchtkäfer ist kalt. Damit zeigen Glühwürmchen die für uns Lichtinteressierte eindrucksvollste Fähigkeit: Von 100 % der aufgenommenen Energie werden beim Glühwürmchen ganze 95 % in Licht umgewandelt, nur 5 % in Wärme. Infrarotstrahlung und UV-Strahlung entsteht dabei nicht. Damit kehren Glühwürmchen den Wirkungsgrad der Glühlampe, das heißt die Effizienz bei der Energieumwandlung, vollständig um. Denn dieses künstliche Leuchtmittel wandelt 95 % der aufgenommenen Energie in Wärme um, nur 5 % in Licht. Doch auch modernere, effizientere Leuchtmittel sind noch weit davon entfernt, den Wirkungsgrad eines Leuchtkäfers nachzumachen. Die LED, der Spitzenreiter der Lichttechnik, setzt durchschnittlich 30 % der aufgenommenen Energie in Licht um. Die Wissenschaft ist bislang nicht in der Lage, die Effizienz der Biolumineszenz nachzuahmen.

Wieviele Glühwürmchen bräuchte man theoretisch, um ein Wohnzimmer hell zu bekommen?

Wer nun aber glaubt, er könne sich ein paar Leuchtkäfer fangen und damit zu einer effizienten Lichtquelle gelangen, der wird in einem dunklen Zimmer sein blaues (eher grünes) Wunder erleben. Glühwürmchen leuchten zwar besonders effizient, aber nicht besonders hell. Eines dieser Insekten erzeugt nämlich nur ein Tausendstel der Helligkeit einer Kerze. Die Kerze erzeugt 1 Lux Beleuchtungsstärke im Umkreis von einem Meter. Ein Büroraum sollte mit einer Grundhelligkeit von 500 Lux ausgestattet sein. Ein heller Sonnentag kann mit 100.000 Lux Beleuchtungsstärke aufwarten. Das bedeutet, dass man, um ein Wohnzimmer zu beleuchten, etwa 300.000 Glühwürmchen für angemessene 300 Lux Beleuchtungsstärke zusammenbringen müsste. Schade, so funktioniert es also nicht! Dennoch: An einem schönen Sommerabend, meistens gegen 22 bis 24 Uhr, wirken die kleinen Käfer ungemein hell. Und wären sie größer als – je nach Geschlecht – 5 bis 20 mm, würden sie für den Menschen vielleicht wirklich als echte Lichtquelle gelten können.

Warum leuchten Leuchtkäfer?

Doch während das kleine Licht der Leuchtkäfer den Menschen wohl erfreuen kann, dient das Licht dieser Insekten für die eigene Art einem ganz anderen Zweck: der Partnersuche. Meistens sind es die Männchen, die leuchtend umherfliegen und nach den ebenfalls leuchtenden Weibchen Ausschau halten. Es gibt jedoch auch Arten, bei denen nicht beide Geschlechter gleichermaßen leuchten oder fliegen können. Das Weibchen der Kurzflügel-Leuchtkäfer zum Beispiel ist flugunfähig. Das artspezifische Leuchten unterscheidet sich vor allem durch die Lichtfarbe, die Leuchtdauer oder Signallänge sowie die Häufigkeit des Aufleuchtens respektive den Rhythmus. Haben die Männchen das Weibchen entdeckt, landen sie und pflanzen sich fort. Das tun sie jedoch nur einige wenige Wochen. Weil erwachsene Glühwürmchen keine Nahrung zu sich nehmen, ist ihre Lebensspanne schnell erschöpft. Doch dann beginnt der Kreislauf erneut. Larven schlüpfen aus den Eiern und gehen drei Jahre lang auf die Suche nach ihrer Lieblingsspeise: nach Schnecken. Nach 5 Häutungen sind sie ausgewachsen. Sie verpuppen sich für 8 bis 11 Tage und die kurzlebigen Erwachsenen schlüpfen erneut hervor. Übrigens leuchten schon die Larven, jedoch nicht für die Fortpflanzung, sondern als Abschreckung für die natürlichen Feinde der Leuchtkäfer: Frösche, Spinnen und Vögel. Mit dem grünen Leuchten lassen sie ihre Feinde vermuten: Hier gibt es nichts zu holen; diese Beute ist giftig!

Leuchtkäfer oder GlühwürmchenKommentieren Sie:
Konnten Sie schon einmal ein Glühwürmchen beobachten? Hatten Sie den Eindruck, das Licht wäre besonders hell? Besonders schön anzusehen? Berichten Sie uns von Ihrer persönlichen Glühwürmchen-Erfahrung!

Eine Antwort

  1. Lichtraum Freiburg

    Sehr schön, diese kleine Lichtquellen wünsche ich mir im Garten :-) Ich habe neulich etwas sehr interessantes gesehen, ein Sonnenglas, ein Liter Sonnenlicht mit unzähligen Möglichkeiten…..

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.