Wo Schatten ist, da ist auch Licht – eine simple und einleuchtende Schlussfolgerung, die wir jeden Tag selbst beobachten können und hinter der doch so viel mehr steckt, als zunächst vermutet. Die Phänomene Licht und Schatten beschäftigen die Menschheit schon von Anbeginn. Mit der Sonne als größte natürliche Lichtquelle und dem Schatten, den lichtabsorbierende Gegenstände auf der Erde produzieren, haben die alten Ägypter mit sogenannten Sonnenuhren erste Zeitmessungen vorgenommen. Aristoteles konnte im 4. Jahrhundert v. Chr. anhand des Erdschattens auf dem Mond beweisen, dass die Erde kugelförmig ist. Doch wie lässt sich der Schatten definieren und welche Bedeutung hat er für die Menschheit?

Loch im Licht?

Rein physikalisch gesehen ist Licht der sichtbare Bereich des elektromagnetischen Spektrums (380 bis 780 Nanometer). Außerdem ist es die Basis für Schatten, denn schlägt man im Lexikon den Begriff „Schatten“ nach, erhält man folgende Definition: „Schatten ist der nicht oder weniger beleuchtete Raum hinter einem reflektierenden bzw. lichtundurchlässigen Objekt.“ Ist der Schatten also schlichtweg ein „Loch“ im Licht? Je nach Art der Lichtquelle und Einfall des Lichts können Schatten ganz unterschiedliche Erscheinungsformen annehmen – scharfe Konturen, verzerrte Abbildungen von Gegenständen oder gar gänzlich ohne Konturen. Dass die Nacht und die Phasen des Mondes auch nur Schattenerscheinungen sind, wird häufig von uns Menschen so nicht  wahrgenommen, da Schatten für uns eine sichtbare, nachvollziehbare Kontur haben muss. Alles andere findet sich in unserem Sprachgebrauch eher als „Dunkelheit“ wieder.

Schatten in Sprache und Literatur

Dass Licht und Schatten nicht nur für Physiker von Bedeutung sind, zeigt das kulturell tief verwurzelte Interesse an diesen Erscheinungen. In der Literatur gilt der Schatten als Motiv, das auf die dunkle, andere Seite des Ich und die unbewussten Schichten der Persönlichkeit verweist. Auch sprachlich haben sich die Worte „Licht“ bzw. „Leuchte“ und „Schatten“ als Synonyme für Intelligenz bzw. den Mangel an Intelligenz eingebürgert. Außerdem wird der Schatten, in dessen Wesen etwas Dunkles, Geheimnisvolles liegt, häufig als Metapher für eine Bedrohung verwendet.

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