Sie besteht aus einem Glaskolben, einer Wolframwendel und einer Fassung aus Blech – die Glühlampe. Seit 1935 wird sie in ihrer Form unverändert hergestellt und ist in ihrer Einfachheit bis heute unübertroffen. Über viele Jahrzehnte hinweg hat sich die Glühlampe zu einem Gebrauchsgegenstand entwickelt, der in jedem Haushalt selbstverständlich tagtäglich benutzt wurde. Jetzt, wo die Tage der guten alten „Glühbirne“ aufgrund des EU-weiten Glühlampenausstiegs gezählt sind, werden Stimmen des Protests immer lauter und auch der Titel „Kultobjekt“ scheint eine fast angemessene Bezeichnung des altgedienten Leuchtmittels.

Glühlampe von allen Seiten beleuchtet

Peter Berz, Helmut Höge und Markus Krajewski haben in ihrem „Glühbirnenbuch“ ein Sammelsurium verschiedenster Texte erstellt, deren Autorenschaft sich von Max Goldt über Wladimir Kaminer bis zu Ernst Bloch und den Herausgebern selbst erstreckt. Die unterschiedlichen Autoren und Genres garantieren eine im wahrsten Sinne des Wortes gründliche „Beleuchtung“ des Themas „Glühbirne“ von allen Seiten. Wie groß das wirtschaftliche Interesse an der Glühlampe war, zeigen die Texte über das sogenannte „Phoebuskartell“, zu dem sich 1924 in Genf alle großen Glühlampenhersteller – u. a. General Electric, Tungsram und Osram – zusammenschlossen, um den Weltmarkt unter sich aufzuteilen und die Haltbarkeit der Glühlampe auf maximal 1.000 Stunden festzulegen. Denn: Die Lebensdauer der Glühlampe hätte mit dem technischen Fortschritt theoretisch um ein Vielfaches erhöht werden können, wie das im Buch abgedruckte Interview mit Dieter Binninger, dem Erfinder der „Ewigkeitsglühlampe“, zeigt.

Klimawandel oder Forderungen der Industrie?

Literarisch betrachtet wird die Glühlampe u. a. von Titanic-Kolumnist Max Goldt und dem deutschen Erfolgsautor mit russischen Wurzeln Wladimir Kaminer. Kaminer beleuchtet die Bedeutung des elektrischen Leuchtmittels für die Russische Revolution und die Elektrifizierung seines Heimatlandes. Der einleitende und aktuellste Beitrag des Buches stammt von Moritz Gieselmann, der zusammen mit Christoph Mayr den kürzlich erschienenen Dokumentarfilm „Bulb Fiction“ gedreht hat. Im Film wie auch in seinem Beitrag hinterfragt Gieselmann die EU-Entscheidung zum Glühlampenausstieg. War es wirklich die Sorge um unser Klima, die die EU zu ihrem Entschluss bewegte, oder steckten Forderungen der Industrie dahinter?

 

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